Paul Graf von Schönborn mit Sohn Alexander Graf von Schönborn
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Historie

Das Adelsgeschlecht der Schönborn ist bis ins 12. Jahrhundert zurückzuverfolgen. Ursprünglich stammt die Familie aus dem hessischen Rheingau-Taunus-Kreis, wo sie bis ins 17. Jahrhundert lebte. Seitdem prägten die Grafen von Schönborn den gesamten süddeutschen Raum als Geistliche, Politiker, Bauherren und Unternehmer nachhaltig. Die Reformationszeit trieb die katholischen Stammhalter Johann Philipp (1605-1673), späterer Kurfürst und Erzbischof von Mainz und Bischof von Würzburg und Worms, und Philipp Erwein (1607-1668) immer weiter südlich, wo die Brüder durch Kauf, Hochzeit und Belehnung ihre Besitztümer um zahlreiche Gebiete an Rhein und Main vergrößerten.

Philipp Erweins berufliche Erfolge ließen ihm und seinen Erben 1663 als besondere Ehre die Pfalzgrafenwürde durch den Habsburger Kaiser Leopold I. zuteilwerden. 1650 erwarb er die Ortschaft Gaibach und baute den Weinbergsbesitz der Familie aus. Einer seiner Söhne, Lothar Franz (1655-1729), beauftragte im Laufe seiner klerikalen Karriere den Bau von Schloss Weißenstein in Pommersfelden als privaten Landsitz. Es gehört noch heute dem Wiesentheider Familienzweig und beherbergt Deutschlands größte private Gemäldesammlung des Barock. Neffe Rudolf Franz Erwein (1677-1754) erbte Gaibach von seinem Großvater und erlangte durch Heirat die Grafschaft Wiesentheid, den heutigen Sitz der Schönborns. Ende des 18. Jahrhunderts begründete einer von Philipp Erweins Urenkeln, Franz Erwein (1776-1840), die fränkische Linie Schönborn-Wiesentheid.

Franz Erwein Graf von Schönborn war ein Politiker und Humanist, der maßgeblich an der Umsetzung der Bayerischen Verfassung 1818 beteiligt war. Dieser setzte er mit der Konstitutionssäule im Schlosspark von Gaibach ein bekanntes Denkmal. Er war es auch, der in der Mainschleife und der idyllischen Atmosphäre der Hallburg das Potenzial für einen Rückzugsort mit Wirtschaftsfaktor sah. So wurde die Hallburg 1806 zum jüngsten Betrieb im Besitz der Schönborns. Nach über 650 Jahren Tätigkeit in der Land- und Forstwirtschaft sowie dem Weinbau verkleinerten Kriege und wandelnde Zeitumstände die weitläufigen Ländereien der Schönborns. Erhalten blieben vor allem ihre Baudenkmäler, die besonders dem fränkischen Barock seinen Charakter verleihen. Und auch die Weinreiche in Franken und im Rheingau konnten größtenteils in ihrem ursprünglichen Bestand bewahrt werden.



Die Familie von Schönborn und die Hallburg heute

Der heutige Schlossherr der Hallburg ist Paul Graf von Schönborn, geboren als jüngstes von vier Kindern auf dem mütterlichen Weingut in Portugal. Nach einem Mischstudium aus Land- und Betriebswirtschaft in den USA stieg er 1988 in den väterlichen Betrieb ein, den er nach dem Tod von Karl von Schönborn-Wiesentheid 1998 übernahm. Beerbt hat er auch dessen kulturelles Engagement, z.B. die renommierte Sommerakademie „Collegium Musicum“ für junge Musiker auf Schloss Weißenstein. Neben der Pflege historischer Bausubstanz und musealer Güter, gehören zum familiären Besitz vielschichtige Wirtschaftszeige wie die Forst-, Teich- und Landwirtschaft, ein Sägewerk und der Weinbau.

Der regelmäßige Austausch zwischen den Mitarbeitern aller Zweige begründet das langjährige Wissen im Umgang mit der Natur, regionalen Klimabedingungen und verschiedenen Böden. Diese Beständigkeit im Weitergeben von Tradition und der Offenheit für Neues zeichnet für Paul Graf von Schönborn die Besonderheit seiner Besitztümer aus. Wenn er sich einmal zur Ruhe setzt und seinen sieben Kindern das Feld überlässt, möchte er ins Gutshaus der Hallburg ziehen – es ist für ihn der schönste und friedlichste aller Betriebe. Den Wein vertraut der gelernte Landwirt aber lieber jenen an, die ihn zu etwas Wertvollem machen. Dafür trinkt er ihn umso lieber: „Wein gehört zur Ernährung dazu. Mit dem richtigen Essen kommt er erst zum Glänzen und als das passende Tröpfchen krönt er jedes Gericht.“ Das vermittelt er auch den Besuchern bei seinen Weinproben, die über die Vinothek angefragt werden können.